WENN ARBEIT PSYCHISCH KRANK MACHT!

Von der Überforderung zu Boreout…

METAPFER: Die Tür wurde mir verschlossen, nur gehe ich an dieser Tür gerne vorbei, auch finde ich diese Tür sehr schön und ich hätte gerne alles dafür getan um diese Tür für andere interessanter und beliebter zu machen.

METAPFER: Die Tür wurde mir verschlossen, nur gehe ich an dieser Tür gerne vorbei, auch finde ich diese Tür sehr schön und ich hätte gerne alles dafür getan um diese Tür für andere interessanter und beliebter zu machen.

…wenn die Arbeitssituation nicht mehr tragbar ist, und die innere Kündigung zur Aufgabe der geliebten Tätigkeit führt.

Wie alles begann…

…am Anfang stand ein Praktikum. Es folgte die Einstellung. Dann der Beginn einer unbefristeten Tätigkeit. In allen Bereichen habe ich mich sehr positiv gezeigt. Alles schien in Ordnung zu sein. Nach vielen diversen Tätigkeiten lernte ich den Bereich des Webdesign kennen und eignete mir dies größtenteils in meiner Freizeit an.

Die eigene Freizeit und die eigene Krankheit in den Hintergrund gestellt!

Ein neues Aufgabengebiet und noch andere Arbeitsgebiete fingen an meine Teilzeit-Tätigkeit zu Überfüllen, in einer 20 Stunden Woche einfach nicht schaffbar. Dennoch reizte mich das Gebiet des Webdesign sehr und auch alles was dieses Gebiet umfasst (Suchmaschienenoptimierung, Google, Bildbearbeitung, Contentmanagement, Kundenberatung, Kundenbetreuung usw.). Um eine sehr gute Arbeit leisten zu können, las ich viel, probierte viel aus, setzte soweit möglich Ideen um. Dies geschah zum größten Teil in meiner Freizeit, da während der regulären Arbeitszeit dafür keine Zeit übrig blieb, die anderen Aufgaben mussten ja auch noch erledigt werden. Ich merkte voller Euphorie gar nicht wie sehr ich keine Zeit für mich hatte und somit auch keine Kraft mehr da war um anderen Interessen nachzugehen. Meine eigene Krankheit zeigte mir sehr wohl, dass ich eigentlich gar nicht mehr konnte. Aber ich wollte um jeden Preis einen sehr guten Job erledigen. Und wünscht sich nicht jeder Anerkennung und Würdigung seiner beruflichen Tätigkeit? Darum kämpfte ich nun von Projekt zu Projekt.

Ein Hochgefühl stellte sich ein…

Langsam und Stück für Stück wurden meine Kenntnisse immer besser und ich wurde auf dem Gebiet immer sicherer. Es machte mir Spaß neue Projekte anzufangen. Eigene Erkenntnisse umzusetzen und Kunden beratend zur Seite zu stehen. Es war jedesmal ein Kraftakt den/die Kunden von meiner Arbeitsleistung zu überzeugen. Warum dies so war, möchte ich hier nicht vertiefend ansprechen, hauptsächlich hatte dies mit meinem Anstellungsverhältnis zu tun. Kunde war das Mutterunternehmen mit seinen ganzen Abteilungen und ich war beim Tochterunternehmen angestellt. Dieses ankämpfen war unheimlich kraftraubend, trotzdem gelang mir dieser Kampf, mal schneller, mal weniger schnell. Das Hochgefühl kam dadurch, dass ich mir sehr hart eine Vertrauensbasis erarbeitet hatte. Der Kunde vertraute mir!!!

Aber warum die Innere Kündigung?

Nach dem ganzen Hochgefühl kam leider die Ernüchterung. Die Projekte wurden weniger und das Einbeziehen meiner Person fand nicht mehr statt. Ich war in vielen Bereichen die ausführende Person, wurde aber in Gesprächen nicht mehr miteinbezogen. Und hier war er wieder der Grund: Kunde Mutterunternehmen, ich angestellt beim Tochterunternehmen. Und zwischen den Unternehmen wurde immer mehr getrennt. Ich wusste zum Schluss nicht mehr meine Zugehörigkeit. Mein Büro war im Mutterunternehmen und ich saß da, und wurde bei Projekten ausgeschlossen. Im Tochterunternehmen, stand ich mit meiner Ein-Person Abteilung alleine da, d.h.: ich hatte keine direkten Kollegen mit denen ich einen Austausch hatte, was vor allem bei technischen Fragen immer ein Problem war, also löste ich Probleme technischer Natur weiterhin zumeist Zuhause, da ich hier einfach mehr Ruhe hatte.

Es war verdammt schwierig, keine direkte Kommunikation zwischen Kunde und Dienstleister (ich) zu haben. Das ich nicht aus erster Hand erfahren habe, was eigentlich der Kundenwunsch ist und wie ich den Wunsch, am Besten umsetzen kann. Vor allem weil ich inzwischen viel mehr Know-how besaß, und ich somit bessere und andere Lösungen hätte vorschlagen können. Ich nenne dies mal “Stille-Post-Prinzip”, da kommt hinterher meistens auch nicht raus, was am Anfang gesagt wurde. Die Arbeitswege wurde somit immer komplizierter und anstrengender.

Ich habe zum Schluss einfach nicht mehr den Sinn meiner Tätigkeit gesehen oder was überhaupt noch mein Job ist. Innerlich verabschiedete ich mich immer mehr. Auch eine Weiterbildung im Bereich InDesign änderte daran leider nix mehr. Mutterunternehmen und Tochterunternehmen sollten strickt getrennt arbeiten. Somit kam ich zwischen die “Räder des Systems” und wurde zerquetscht.

Der letzte Arschtritt!

Frisch aus der Weiterbildung in InDesign, kam ich voller Euphorie zurück ins Büro und sah wieder eine Perspektive für mich. Ich hatte soviel Lust daran gehabt,  das Gelernte gleich umzusetzen. Dann der Schlag in die Fresse: “Ich wäre dem Kunden zu teuer”. Und dies habe ich nicht einmal direkt erfahren. Ich habe soviel Energie und Freizeit in diese ganze Tätigkeit gesteckt, auf meine Gesundheit geschissen und dann sowas? Hätte man sowas nicht besprechen können, mit mir und meinem direkten Vorgesetzten? Hätten man nicht nach Alternativen suchen können? Ich hatte bis dahin nur positives Feedback vom Kunden zu meiner Arbeitsleistung bekommen. Ist es nicht mehr gewünscht sehr gute Arbeitnehmer zu halten?

Es fühlt sich an, als ob das Herz raus gerissen wurde:(

In meiner Tätigkeit bin ich sehr aufgegangen, habe viel Selbstbewusstsein bekommen und sehr viel Vertrauen erfahren. Ich liebte die Tätigkeit von ganzem Herzen. Und nun ist es vorbei. SCHLUSS ENDE VORBEI!!! Es fühlt sich wirklich so an, als ob mir jemand einen sehr wichtigen Teil meines Lebens aus mir herausgerissen hätte. Lange habe ich gesucht um zu erfahren, welche Tätigkeit mir liegt, wo ich hingehöre. Durch die Krankheit musste ich beruflich schon viel einstecken, aber hier hatte ich genau das was mir lag. Daher tut mir diese ganze Sache mehr weh, als bei gesunden Menschen.

Diagnose: Reaktive Depression!

Dadurch, dass ich immer weniger zutun bekam, veränderte ich mich Tag täglich. Ich hatte schon viel vom Boreout gehört, aber es am eigenen Leib zu erfahren, war nochmal ein anders Thema.

  • Sich nicht mehr gebraucht zu füllen, war sehr sehr schlimm!
  • Zur Arbeit zu gehen und nicht zu wissen, liegt was an oder nicht, das war gruselig!
  • Nicht mehr Teil von irgendwas zu sein, war schrecklich!

Von Überbelastung zu extremer Unterbelastung! Mir kamen fast täglich die Tränen, weil ich zwischen den beiden Unternehmen (Mutter/Tochter) schier untergegangen bin. Mir kreisen täglich die Gedanken im Kopf: “Ist sehr gute Arbeitsleistung heute nichts mehr wert?”; “Hätte ich noch mehr leisten müssen?”; “Warum hat es ausgerechnet mich getroffen?”; “Ist das Alles Wirklichkeit, habe ich jetzt wirklich gekündigt?”; “Warum kommen Menschen die ihre Arbeit schlecht ausführen und noch gut bezahlt werden, einfach weiter – das verstehe ich einfach nicht, es will nicht in meinem Kopf hinein?”

Ende vom Lied ist, dass ich auf die Arbeitssituation eine Reaktive Depression entwickelt habe, obwohl ich mit dem Thema Depression selbst noch nie zu tun hatte.

Völliges Unverständnis von Integration und Inklusion?!

Schlimm ist ebenfalls, dass ich zwischen zwei Unternehmen untergegangen bin, die sich beide für Menschen mit Behinderungen einsetzten und Inklusion sowie Integration fördern. Und ich bin ein Mensch mit Behinderung! Weiter möchte ich dies hier nicht ausführen!

Wann werde ich es realisieren?

Ich denke nicht, dass ich das Alles was vorgefallen ist, realisieren werde. Es wird wohl noch viel Wasser die Elbe hinunter fließen. Trotz neuem Job, wird dies Zeit brauchen. Dafür war ich einfach zu sehr mit meiner Tätigkeit verwurzelt, und habe viel zu viel Energie dort hinein gesteckt.

Wann werde ich den Arschtritt überwunden haben?

Ich denke NIE!!! Das ging zu sehr ans Herz!!!

Zum Schluss…

Ich habe gekündigt und ich habe auch einen neuen Job gefunden.

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